Der Verein

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Chronik aus der Festschrift des Jahres 1998

zum 75-jährigen Bestehen des Vereins

 

 

Der Klootschießer- und Boßelverein Westeraccum wurde im Jahr 1923 gegründet mit dem Vereinsnamen "Bahn free". 1. Vorsitzender des Vereins wurde Harm Harms. Ihm zur Seite standen Carl Behrends als Schriftführer und Kassierer sowie Georg Denkmann als Bahnweiser.

1930 wurde erstmals ein großes Preisschießen mit Kommers- und Tanzabend im Ujenschen Festzelt gefeiert.

Nicht nur im Verein sondern auch an der Schule wurde durch den Schullehrer Hinni Heeren das Boßeln und Klootschießen gepflegt und es fanden Wettkämpfe gegen andere Schulen statt. Wer damals ein richtiger Werfer werden wollte, mußte jeden Tag mindestens zehn Wurf machen und bei den Jungen gehörte der Kloot mit auf den Schulweg.


So schrieb dann auch der alte Klootschießerdichter Meents:
       

        Hoch willn wie holln de Klootscheetersport                       
        dor willn wie immer för sträwen
        denn een good Volk, wat in Ehren holt,
        wat all sein Vörfahren drewen!

            

Als Vorbild für die Jugend galten in diesen Jahren der Bahnweiser Georg Denkmann und als Werfer Heink Fokken, der stets ein gefährlicher Gegner im Boßeln war.

Sonntags wurden immer wieder Wettkämpfe durchgeführt. Geworfen wurde mit sechs gegen sechs. Da es noch nicht um Punkte ging stand bei jedem Wettkampf ein Geldbetrag auf dem Spiel. Auch die nötigen Fortbewegungsmittel fehlten und so mußten die Werfer sowie die Käkler und Mäkler zu Fuß zum Wettkampfort laufen. Nach einem gewonnenen Wettkampf wurde die Vereinsfahne ausgerollt und Tebb Schoolmann spielte auf der Handorgel. Zur Musik wurde das Lied "Die Accumer Boßler zogen aus" gesungen. Die stärksten Gegner waren zu dieser Zeit die Middelsburer und die Accumersieler, wo es nur selten gelang zu gewinnen.

Als starker Werfer tat sich auch Bernd Heyken hervor, der aufgrund seiner Größe bei einigen Werfern für Unbehagen sorgte. Die Boßelkugeln (Holz, 14 bis 15 cm Durchmesser) wurden, wenn auch nicht ganz rund, von Eibo Meints gedreht.

In den Jahren bis 1937 war der Zusammenhalt in der Gemeinschaft ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens, was durch die alten Schriftsätze (Protokolle) belegt wird. Sommerfeste, Kegeln, Saalschießen (Luftgewehr), Knobeln, Tanzabende, Theatervorführungen und Preisschießen fanden fast alljährlich statt.

Bedingt durch den 2. Weltkrieg ruhte das Vereinsleben von 1937 bis 1947.

Unter dem Vorsitz von Johannes Hartmann fand 1947 ein Neubeginn statt. Der weitere Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: Eimo Königshoff (2. Vorsitzender), Helmut Kehler (Schriftführer), Willi Cassens (Kassenwart), und Hinrich Schuster (Spielführer). Als Bahnweiser fungierten Georg Denkmann und Theodor Harms. Aus der damaligen Satzung geht hervor, daß es nur männlichen Personen über 16 Jahre erlaubt war im Verein Mitglied zu werden. Das Eintrittsgeld betrug einmalig 1,- DM und der monatliche Beitrag lag bei 25 Pfennigen. Eine Wahl der Vorstandsmitglieder erfolgte wie auch heute noch auf zwei Jahre. Als Werferausweis galten die vom 1. Vorsitzenden ausgestellten Werferkarten.

Viele Veranstaltungen waren an der Tagesordnung, so z. B. das Stiftungsfest am 14.02.1948 im Seebergschen Saale in Dornum. Auf Sommerfesten wurden über 40 Preise ausgeworfen. Bemerkenswert war hier, daß die Mitglieder sich auf einer Versammlung dafür aussprachen bei entstehendem Defizit eine Umlage bei den Mitgliedern durchzuführen. Dies war jedoch nicht erforderlich und es wurden immer wieder kleinere Gewinne erzielt.

1950 übernahm Eimo Königshoff das Amt des 1. Vorsitzenden. Auf Anregung von Hinrich Schuster wurden in diesem Jahr ein Sprungbrett sowie eine Matte und eine Klootkugel angeschafft.

Als auf einer Mitgliederversammlung im Jahr 1952 Meinungsverschiedenheiten auftraten und keine Einigung erzielt werden konnte, löste sich die Versammlung auf.

Am 25. Oktober 1954 erfolgte im Gasthaus Behrends (heute Rabenstein) die Wiederaufnahme der Vereinsgeschäfte. 1. Vorsitzender wurde Hermann Freese

Der Vereinsname änderte sich von "Bahn free" in den auch heute noch geltenden Namen "Hier upp an". Wobei die Schreibweise "upp" nur noch auf der im Jahre 1955 angefertigten Vereinsfahne Gültigkeit hat. Die Fahnenbestickung wurde ausgeführt von Elfriede Eisenblätter, heute Harms. Damaliger Fahnenträger war Wilhelm Rosenboom. Die Fahne wurde geweiht mit den unvergeßlichen Worten des Kassierers Hinrich Schuster:

"Jungs hollt fast to de Fahn "!

Der erste Ausflug fand am 25.09.1955 statt und führte nach Wilhelmshaven. Im Jahr 1956 fuhren Hermann Freese sen. und Wilhelm Dirks nach Voslapp und forderten zum Boßelwettkampf mit 4 Gruppen a 6 Werfern auf. Der Wettkampf wurde deutlich vom KBV "Hier up an" gewonnen.

Von 1967 bis 1968 übernahm Gerhard Janssen für l Jahr den Vorsitz des Vereins. Hermann Freese jun. wurde 2. Vorsitzender und löste G. Janssen als 1. Vorsitzenden 1968 ab.

Auch Hermann Focken hatte zwischenzeitlich das Kassiereramt von Hinrich Schuster übernommen. 30 Jahre lang war Hermann Focken als Kassierer im Verein tätig (1992).

Unter dem neuen Vorstand wurde das Boßeln und Klootschießen wieder intensiver gefördert und es fanden viele Wettkämpfe gegen Nachbarvereine statt. 1969 wurde in Willmsfeld die Einstufung der einzelnen Vereine in unterschiedliche Klassen durch den Kreisverband ermittelt. Der KBV "Hier up an" erreichte bei diesem Vergleich die Einstufung in der B-Staffel. Sehr schnell wurde dann der Aufstieg in die A-Staffel geschafft. Durch die Einführung einer Verbandsliga 1974 gelang es dem Verein als Vizemeister der A-Staffel und Mitaufsteiger erstmals überregional zu werfen. Hier konnte man sich einige Jahre sehr gut in Szene setzen. 1982 wurde dann sogar der Aufstieg in die Landesliga geschafft. Doch dieses Intermezzo war leider nur von kurzer Dauer und man mußte nach nur einem Jahr Zugehörigkeit in die die neugegründete Bezirksliga absteigen.

1983 beging der Verein sein 60-jähriges Jubiläum. Auf diesem Fest wurden die Mitglieder geehrt, die sich besonders verdient gemacht haben um das Klootschießen und Boßeln in Westeraccum. Zu den geehrten zählten: Karl Behrends, Georg Harms, Theodor Harms, Johann Ricklefs, Johannes Hartmann und Harm Gerdes.

Bis 1989 hielt der Status Bezirksliga. Im Jahr 1989 erfolgte dann wiederum der Aufstieg in die Landesliga. Hier wurden in den darauffolgenden Jahren hervorragende Platzierungen bis hin zum 3. Platz ereicht. 1991 übergab Hermann Freese nach 23 Jahren den Vorsitz des Vereins an Wolfgang Barfknecht. Unterdessen war es auch der Männer II Mannschaft nach einem bravourösen Wettkampf in Burhafe gelungen in die Landesliga aufzusteigen. Ausserdem kommt die Männer III Mannschaft in den letzten Jahren immer wieder zu Kreismeisterehren in der Fünfer-Staffel.

Der Klootschießer- und Boßelverein "Hier up an" Westeraccum e. V. ist an jedem Wochenende mit über 50 Werfern in den Männerklassen des Kreis- bzw. Landesverbandes vertreten. Dies ist eine beachtliche Zahl in Relation mit der Einwohnerzahl in Westeraccum. Aufgrund unserer sehr guten Jugendarbeit muß man sich um die Zukunft von "Hier up an" keine Sorgen machen.

Jugendbereich

Die Jugendarbeit im Klootschießer- und Boßelverein "Hier up an" Westeraccum e. V. wird seit jeher groß geschrieben. So wurden bereits Anfang der siebziger Jahre erste Jugendmannschaften gebildet. Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein. So wurde die weibliche Jugend unter der Leitung von Erna Moser und Dieter Krohn in den Jahren 1975 und 1976 Kreismeister im Boßeln. Zur erfolgreichen Mannschaft gehörten: Johanne Bents, Anita Krohn, Maike Rosenboom, Ina Rector, Hertha Cassens und Heidrun Alter. Noch erfolgreicher war die männliche Jugend die 1975 Kreis- und Landesmeister wurde. Bei den FKV Meisterschaften mußte man sich knapp dem oldenburgischen Meister Bockhorn geschlagen geben.

In den folgenden Jahren wurden in den männlichen Klassen immer wieder gute Plazierungen erreicht. Der bis dahin größte Erfolg einer Jugendmannschaft von "Hier up an" stellte sich dann 1984 ein. Die männliche Jugend wurde in diesem Jahr Kreis- Landes- und FKV Meister. Auch im Klootschießen wurde durch intensives Training die Leistungen gesteigert. So konnte man 1990 die Kreis- und Landesmeisterschaft im Klootschießen erringen. Auch im weiblichen Jugendbereich ging es ab 1993 wieder aufwärts indem man eine weibliche E-Jugend zum Spielbetrieb melden konnte. Der wohl größte Erfolg einer Jugendmannschaft gelang uns in der Saison 1995/96. Die männliche Jugend E gewann in dieser Saison sämtliche Meisterschaften im Boßeln sowie im Klootschießen. Der Erfolg blieb uns treu und wir konnten in der Saison 1996/97 die Kreis- Landes- und FKV Meisterschaft in der männlichen Jugend C erringen. Auch die Erfolge in den weiblichen Jugendklassen stellten sich schnell wieder ein. So wurden in den letzten Jahren zahlreiche Kreismeisterschaften gewonnen.

In der Saison 1997/98 nahm der KBV "Hier up an" mit 9 Jugendmannschaften und insgesamt 55 Werfern und Werferinnen am Spielbetrieb des Kreisverbandes teil. Dies ist ein Novum in der Geschichte des Vereins.

Frauenboßeln

Das Boßeln war bis Anfang der siebziger Jahre eine reine Männerdomäne Traditionsbewußte männliche Boßeler wollten nicht, daß die Frauen zum Boßeln zugelassen wurden. Erst das Umdenken einiger Verantwortlicher auf Kreisebene verschaffte den Frauen Anerkennung und unverhoffte Unterstützung. Am 10. September 1971 wurde in Westeraccum eine Frauenabteilung ins Leben gerufen. Bereits vor der ersten Versammlung hatten sich 60 Frauen bereit erklärt dem Verein beizutreten. 1. Vorsitzende der Frauenabteilung wurde Gerda Freese. Da man keine Einigung erzielen konnte mit welchen Mannschaften man am Spielbetrieb des Kreisverbandes teilnehmen sollte, wurden in diesem Jahr nur Freundschaftskämpfe ausgetragen. Nach nur einem Jahr übernahm Amanda Behrends den Posten als 1. Vorsitzende von Gerda Freese. In der Saison 1972/73 nahm der KBV "Hier up an" erstmals am Spielbetrieb teil. Geworfen wurde zu dieser Zeit noch mit 3 Gruppen a 5 Werferinnen.

1974 schloß sich die Frauenabteilung dem Gesamtvorstand an. Neue Frauenwartin wurde Erna Moser. In diesem Jahr wurde der Aufstieg der A-Staffel in die Landesliga knapp verfehlt. Die C-Staffel belegte einen guten Mittelplatz. Auf Sommerfesten anderer Vereine wurden zahlreiche Pokale gewonnen. In der Saison 1976/77 erfolgte der bis dahin größte Erfolg einer Frauenmannschaft des KBV "Hier up an". Bei den Aufstiegskämpfen zur Landesliga konnte man in einem wahren Krimi die Mannschaft von Bernutsfeld in die Schranken verweisen. Der Aufstieg in die Landesliga war geschafft.

In den darauffolgenden Jahren konnte die Klasse gehalten werden. Unterdessen erreichte die B-Staffel in der Saison 1977/78 den 3. Platz und war somit die beste Zweitmannschaft im Kreisverband Esens.

Aufgrund der vernachlässigten Jugendarbeit und das altersbedingte Ausscheiden einiger Spitzenwerferinnen konnte dann die Landesliga nicht mehr gehalten werden. Der Abstieg in die Kreisliga Esens war unumgänglich. Die Frauen II Mannschaft wurde in den Jahren 1983 Kreismeister und Vizelandesmeister sowie 1986 Kreismeister und 4. der Landesmeisterschaften. In der Saison 1987/88 erfolgte der bislang tiefste Fall der Frauen I Mannschaft mit dem Abstieg in die 1. Kreisklasse. Durch den Zugang einiger guter Werferinnen konnte ein weiteres Absinken verhindert werden. Schließlich gelang 1993 der Wiederaufstieg in die Kreisliga.

Im Jahre 1995 erfolgte auf der Jahreshauptversammlung des KBV "Hier up an" die Ehrung für langjährige Mitgliedschaft mit der silbernen Ehrennadel. Folgende Frauen wurden durch den 1. Vorsitzenden Wolfgang Barfknecht geehrt: Mariechen Krohn, Käthe Bellgardt, Grete Djuren, Gerda Freese, Margarete Dirks und Frieda Cassens.

Der Klootschießer- und Boßelverein "Hier up an" Westeraccum nahm in der vergangenen Saison mit insgesamt 30 Werferinnen am Punktspielbetrieb des Kreisverbandes Esens in den Klassen Frauen I Kreisliga, Frauen I 3. Kreisklasse sowie Frauen III Kreisliga teil. Der Frauen I Kreisliga gelang in diesem Jahr die Kreismeisterschaft und nimmt somit an den Aufstiegskämpfen zur Bezirksliga am 19. April in Langefeld teil. Wir wünschen unserer Mannschaft für den Aufstiegskampf alles Gute und auch das nötige Glück, damit wir auch im Frauenbereich wieder überregional auf uns Aufmerksam machen können.
 

 

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